Kairi Look. „Die Insel der zerzausten Prinzessinnen”

Volltext

[S. 4 – 5]

Es passierte eines Morgens, als die zerzausten Prinzessinnen am Strand in der Sonne lagen – im weissen Sand ein schrecklicher Kerl mit Schnauzbart, Dolch am Gürtel und schwarzer Augenklappe.

[S. 7]

„Karramba!”, brüllte er und stieg aus dem Wasser.

[S. 8 – 9]

„Guten Morgen! Wer bist du?”, fragten die Prinzessinnen und sahen den Fremden neugierig an. „Pirat”, knurrte der Pirat. „Und ihr?” „Prinzessinnen”, antworteten die Prinzessinnen.

[S. 10 – 11]

„Niemals!”, schrie der Pirat. „Seht euch doch an! So zerzaust und verwurstelt läuft keine Prinzessin herum. Wie wär’s denn mal mit Kämmen?” Die Prinzessinnen trauten ihren Ohren nicht und fassten sich ins Haar.

[S. 12 – 13]

„Und die Insel gehört ab sofort mir!”, donnerte der Pirat. „Haut ab!” Die Prinzessinnen tauschten Blicke und banden den Piraten an eine Palme. Das gefiel ihm gar nicht.

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„Macht mich los!”, zeterte der Pirat und zerrte an den Fesseln. „Du bist gut!”, meinten die Prinzessinnen. „Glaubst wohl, wir sind dumm. Halt lieber still und überleg dir, was du sagst.”

[S. 16 – 17]

Der Pirat wurde ganz still und fing beinahe an zu weinen. Die Prinzessinnen holten Taschentücher und halfen ihm beim Naseputzen. Der Pirat schniefte unglücklich und flüsterte: „Ich kann nirgendwo hin. Ich war als Räuber unbrauchbar, und die anderen Piraten haben mich davongejagt.”

[S. 18 – 19]

Den Prinzessinnen tat der Pirat leid. Sie tuschelten, strichen ihm übers Haar und banden ihn von der Palme los. „Deswegen musst du doch nicht gleich weinen”, trösteten sie ihn. „Du kannst ja was anderes machen.”

[S. 20 – 21]

Der Pirat seufzte und musterte die Haare der Prinzessinnen. „Ich wollte ja immer schrecklich gerne Frisör werden …” Er fischte einen Kamm aus der Tasche und befühlte ihn liebevoll.

[S. 22 – 23]

„Ist das wahr!”, jauchzten die Prinzessinnen. „Frisör?! Jippi! Jippi! Jeee!”

[S. 24 – 25]

Also blieb der Pirat auf der Insel der Prinzessinnen. Er machte ihnen feine Frisuren und kämmte alle Knoten und alles Verfitzte aus. So lebten sie miteinander, noch lange, lange…

Aus dem Estnischen von Irja Grönholm